Als junger (aber auch als erfahrener) Selbständiger kommt man immer wieder in die Lage, dass man schwierige Entscheidungen treffen muss, die Motivation fehlt oder einfach nur die gesamte Bürokratie nervt. Auch ich war schon des öfteren in dieser eher weniger erfreulichen Situation, als ich selbständig war und konnte somit schon einige Erfahrungen sammeln.
„Es ist nie der richtige Zeitpunkt!“
Man stelle sich folgende Situation vor: Frau und Mann (aus Gründen der Gleichberechtigung einfach mal nicht ‘Mann und Frau’) haben einen Kinderwunsch. Sie reden lange und ausführlich miteinander, wägen Vor- und Nachteile, sie wollen ja nur das beste für das Kind. Am Ende kommen sie zu dem Ergebnis, dass momentan nicht der richtige Zeitpunkt ist und vertagen das Gespräch auf unbestimmte Zeit. Aus Angst. Aus der Angst vor dem ungewissen, was auf sie zu kommt, was sie neues erwartet, mit dem sie nicht vertraut sind. Bei den nächsten Gesprächen wird es vielleicht andere Gründe pro und contra Kind geben, aber das Ergebnis wird immer wieder das gleiche sein: „Im Moment wäre es nicht richtig sich für das Kind zu entscheiden!“
Gut gedacht, nur dauert es nunmal 9 Monate, bis das Kind das Licht der Welt erblickt und bis dahin kann sich vieles geändert haben. Dann ist vielleicht genau der richtige Zeitpunkt. Aber was ist, wenn man sich im richtigen Moment für das Kind entscheidet und in sich in den nächsten 9 Monaten einiges Grundlegend ändert?
Was ich damit sagen möchte ist folgendes: Bei Entscheidungen, die langfristige Veränderungen nach sich ziehen kann man nicht wissen, was auf einen zukommen wird. Das ist bei Kindern so, wie bei Entscheidungen in der Selbständigkeit. Einfach mal machen ist dabei häufig die beste Möglichkeit herauszufinden, ob eine Idee etwas taugt, oder nicht!
„Hör auf, wenn du soweit bist!“
Ein ähnliches Problem, wie mit dem richtigen Startzeitpunkt: „Wann sollte ich aufhören an einer Sache weiter zu machen?“
Bei einem Baby kann man nicht einfach sagen: „Nö, du bist jetzt nicht mehr so knuffig, wie vor 6 Monaten, jetzt will ich dich nicht mehr!“ Bei vielen Arbeiten oder Kunden kann man jedoch einen solchen Zeitpunkt feststellen.
Das beste Beispiel sind eigentlich die eigenen Kunden eines jungen Selbständigen. Es gibt welche, mit denen hat man keine Probleme, man erledigt die Arbeit, macht noch kleine Anpassungen – falls nötig – und freut sich, dass am nächsten Tag das Geld auf dem Konto ist. Und es gibt die andere Seite der Kunden! Die lassen den Selbständigen arbeiten und haben dann im Nachhinein noch extreme Änderungswünsche, welche extrem viel Zeit kosten, was „Sie ja aber noch mal schnell machen könnten – natürlich umsonst“ und „Da es ja so lange gedauert hat kann ich mir ja auch Zeit mit der Bezahlung lassen“ – Kunden!
Wo bei jedem einzelnen die Schmerzgrenze für diese letztere genannte Art von Kunden ist, muss jeder selbst feststellen und -legen.
Auf jeden Fall wird das Leben lebenswerter, wenn man sich von solchen Kunden trennt. Meistens ist es doch so, dass man – vor allem als Selbständiger – über die Arbeit auch noch in der Freizeit nachdenkt und vielleicht noch das eine oder andere macht, Mails beantwortet oder nachts einfach an einem Projekt weiter arbeitet!
Fazit: Nicht jeder Kunde ist es wert ihr Kunde zu sein. Man muss sich auch als Selbständiger nicht alles gefallen lassen und manchmal ist es einfach besser einfach mal Nein! zu sagen.
Dieser Artikel ist der erste Teil einer Artikelserie über die Erfahrungen, welche ich in meiner Zeit als Selbständiger gemacht habe.

[...] Erkenntnisse als Selbständiger – Teil 1 [...]